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Lehrbrief X: Kosmetische Behandlungsmethoden 2/Physik
Ausbildung zur Kosmetikerin auf der AFS Kosmetikschule
Kosmetische Behandlungsmethoden 2
Im geschichtlichen Überblick über die Kosmetik haben wir gelesen, daß die
Geschichte der dekorativen Kosmetik mit den ersten Kulturen der Urzeit
beginnt. Denn bereits die Steinzeit-Menschen benutzten Farben natürlichen
Ursprungs (z. B. Kohle, Kreide, Ocker) zum Bemalen der Haut, allerdings
weniger der Schönheit wegen, sondern aus kultischen Gründen. Einen
Bedeutungswandel erlebte die dekorative Kosmetik mit Entstehen der ersten
Hochkulturen. Ästhetik und Körperbewußtsein waren im alten Ägypten stark
entwickelt. Pflegende und vor allem dekorative Kosmetik dienten zur
Verschönerung des äußeren Erscheinungsbildes, waren Ausdruck des
Selbstverständnisses und der gesellschaftlichen Position. Dabei galt es als
schön, sich nicht nur das Gesicht, sondern auch die Körperhaut zu schminken.
Das griechische Schönheitsideal von der Harmonie zwischen Körper und Seele
wurde von den Römern übernommen. Nach dem Mittelalter, dem Zeitalter des
Barock, dem Rokoko und dem Empire leitete die Gewinnung synthetischer
Farbstoffe zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine neue Ära ein. Denn diese
ermöglichte nicht nur größere Farbenvielfalt, sondern auch den Ersatz
gesundheitlich bedenklicher Färbemittel bzw. begrenzter Rohstoffe aus der
Natur. Moderne Produktionsverfahren erlaubten die Herstellung
größerer Stückzahlen zu günstigen Preisen. Dekorative Kosmetik, einst einer
gesellschaftlichen Minderheit vorbehalten, wurde einer breiten
Bevölkerungsschicht zugänglich gemacht.
Die Grenzen zwischen dekorativer und pflegender Kosmetik lassen sich nicht
mehr so scharf trennen. Auch und gerade dekorative Kosmetik muß eine
pflegende und schützende Aufgabe erfüllen, denn auch diese Produkte kommen
direkt mit der Haut in Kontakt. Wie sehr sich Produktqualität und
Verträglichkeit verbessert haben, läßt sich am Beispiel von Make-up und
Puder erkennen. Durch spezielle Verarbeitungstechniken erhält man Präparate
mit mikrofeinen Partikeln, die sich nicht nur optimal verteilen lassen,
sondern auch die Hautatmung nicht beeinträchtigen.
Dennoch lassen sich auch heute Unverträglichkeiten nicht völlig
ausschließen. Insbesondere Allergien auf bestimmte Farbstoffe (z. B. Chrom,
Nickel) oder die sogenannte Kosmetikakne sind keine Seltenheit, kritischeres
Kaufverhalten der Kundin die logische Folge. Gerade auch vor diesem
Hintergrund erwartet die Kundin seriöse Argumentation statt flotter Sprüche,
sie erhofft sich von Ihnen Auskunft über Zusammensetzung der jeweiligen
Präparate.
Auch verlangt es von der Kosmetikerin neben Fachkennntnissen auch Geschmack
und Farbgefühl, Phantasie und Geschick. Ein Make-up gelingt meist nicht beim
ersten, sondern erst nach mehreren Versuchen, wenn die Auftragtechnik mit
seinen kleinen Tricks und Kniffen beherrscht und die Grundlagen der
Farbenlehre verstanden sind.
Dennoch: Strenge Regeln können für ein Make-up nicht festgelegt werden.
Make-up-Trends sind als Anregung, nicht als Verpflichtung zu betrachten und
so sollten Sie es Ihren Kundinnen nahelegen. Gerade hier gilt: "Schön ist,
was schön macht". Wichtig ist, daß die Farbtöne mit der Person harmonieren
und daß die Farben an der richtigen Stelle aufgetragen werden. Ein Make-up
soll die natürliche Schönheit betonen und Akzente setzen, darf aber
keinesfalls im Vordergrund stehen. Daher muß das zu schminkende Gesicht
genau analysiert werden, um zu erkennen, was betont werden muß und was zum
Typ paßt.
Sich zu schminken ist heute keine Frage des Status, sondern vielmehr
Ausdruck der individuellen Persönlichkeit.
Verschönert wird mit Farben und so ist es unumgänglich, daß wir uns zunächst
theoretisch mit der Farbenlehre auseinandersetzen, bevor wir uns praktisch
mit der Gestaltung und der Auftragtechnik des Make-ups befassen.
Physik
Die Physik ist eine exakte Wissenschaft. Und somit ist die Beschreibung der
Natur mit einer dementsprechenden Fachsprache verbunden, die in der
heutigen, technischen Zeit immer mehr auch auf das normale Leben übergreift.
Kein Hersteller von elektrischen Geräten kommt ohne bestimmte Angaben mehr
aus. Deswegen werden Sie in diesem Lehrbrief einige der wichtigsten
physikalischen Begriffe kennenlernen und eine Vorstellung von dem gewinnen,
was sich dahinter verbirgt.
Die physikalische Größe ist eine meßbare Naturerscheinung, die immer mit
einer Zahl (ihrem Wert) und einer Einheit verbunden ist. Das einfachste
Beispiel sind die physikalischen Größen Länge und Zeit. Jeder kann sich
unter diesen Begriffen etwas vorstellen. Schwieriger wird es schon bei den
Begriffen elektrischer Spannung oder sogar radioaktiver Strahlendosis.
Im einfachen Beispiel ist die Einheit für die Zeit die Sekunde, für die
Länge ist es das Meter. Diese Einheiten sind gesetzlich festgelegt und
weltweit gleich. Im täglichen Gebrauch nehmen wir Vielfache dieser
Basiseinheiten, um nicht mit großen Zahlen jonglieren zu müssen. Im Falle
der Zeit wäre das die Stunde oder Minute. Im Falle der Länge ist die Einheit
Kilometer oder auch alte oder fremde Vielfache, Meilen oder Zoll. Die Frage
nach einer physikalischen Größe kann also durch die Angabe von Zahlenwert
und Einheit genau beantwortet werden. Eine Antwort auf die Frage wie lange,
kann nicht sein: 5 oder Stunden. Bei der Angabe 5, weiß man nicht, ob 5
Stunden oder nur Sekunden gemeint sind, ein riesiger Unterschied. Bei der
Angabe Stunden fehlt der Wert. Manchmal ist der Vergleich zwischen den
unterschiedlichen Angaben zu physikalischen Größen ein wenig schwieriger. So
wenn man zum Beispiel Angaben über die Füllmenge bei kosmetischen Produkten
aus ausländischer Produktion vergleichen will. Einige Hersteller geben diese
Füllmenge in den uns bekannten Einheiten Milliliter (ml) oder Gramm (g) an.
Obwohl beide Angaben
unterschiedliche Einheiten zu ganz anderen physikalischen Größen darstellen,
können wir uns aus der täglichen Erfahrung heraus unter diesen Angaben etwas
vorstellen. Die Einheit Gramm ist mit der Größe Masse verbunden, dagegen die
Einheit Liter mit der Größe Volumen. Was ist also, wenn die Angabe auf der
Flasche in Ounces (oz) oder Spoons steht? Dann sollte man wissen, wie sich
diese Einheiten zueinander verhalten. Sie beschreiben ja eigentlich genau
das gleiche, nämlich die Füllmenge in dieser Flasche. Also müssen sie sich
vergleichen lassen. So ist die folgende Liste eine nützliche Hilfe bei der
Umrechnung verschiedener Einheiten. Sollten Sie einmal mit einer Angabe oder Abkürzung nicht zurecht kommen, dann hilft meistens schon ein Blick in
ein Lexikon. Denn dort ist diese Angabe und der Umrechnungsfaktor erklärt.
- 1 inch oder Zoll = 2,54 cm
- 1 Karat = 200 mg
- 1 register ton = 2,832 m³
- 1 Seemeile (sm) = 1852 m
- 1 Knoten (1 sm/h) = 0,5144
m/s
- 1 ounce (oz) = 28,35 g
- 1 pound (1 lb = 16 oz) =
453,6 g
- 1 barrel = 163,5 l
- 1 americ. Gallon = 3,785 l
- 1 PS = 735,5 W
- 1 kcal = 4,187 kJ
- 1 KWh = 3,6 � 106 J
- 1 atm (Atmospäre) = 1013,25
mbar
Die Erklärung der für die Kosmetik wichtigen physikalischen Größen und
Begriffe werden jedem Kapitel vorangestellt. Die Beschreibung und die
Benutzung der wichtigsten kosmetischen Geräte schließen die Kapitel dann
jeweils ab.
Lehrbriefe
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