|
Lehrbrief II: Chemie 1/Kosmetik in der Vergangenheit
Ausbildung zur Kosmetikerin auf der AFS Kosmetikschule
Chemie 1
Alles, was uns in der physisch-sinnlichen Natur entgegentritt, ist Chemie.
Wenn wir etwas mit unseren normalen Sinnen wahrnehmen, ist es aus Materie
aufgebaut und die kann chemisch analysiert werden. Auch Pflanzen, Tiere und
wir Menschen bestehen aus (bio-)chemischen Strukturen, die
physikalisch-chemisch beschreibbar sind und deren Atome und Moleküle nach
einer höheren Ordnung strukturiert sind.
Die Kosmetik versucht nun diese Strukturen möglichst zu erhalten, sie in
Körperpflegeprodukte einzuarbeiten und sie dadurch dem Menschen nutzbar zu
machen. Der Beruf der Kosmetikerin bringt es mit sich, daß Grundbegriffe der
Chemie, die Bedeutung der Stoffe, die Wechselbeziehungen zwischen den
Behandlungspräparaten und dem Hautgewebe in groben Umrissen erkannt und
richtig gedeutet werden. Deshalb spielt die Chemie als Grundlage für die
Warenkunde eine wichtige Rolle, nicht zuletzt deshalb, weil so eine
anspruchsvolle Betrachtung von Struktur und Funktion der Inhaltsstoffe
kosmetischer Zubereitungen möglich wird. Sie lernen in diesem Lehrbrief, daß
kosmetische Präparate wesentlich durch die chemischen Eigenschaften bestimmt
sind. Er hilft selbst entscheiden zu können, welches Produkt das beste
Preis-Leistungsverhältnis aufweist und der von der Hautdiagnose vorgegebenen
Behandlungsmethode entspricht.
Ziel dieser Lehrbriefreihe ist es, die wissenschaftliche Grundlage für eine
kompetente Kosmetik-Beratung als Kosmetikerin zu liefern, bei der die
Beurteilung der chemischen Zusammensetzung, Stabilität und Wirkungsweise der
Kosmetika im Vordergrund steht.
Kosmetik in der Vergangenheit
Das Ziel der Kosmetik, die Haut zu pflegen, gesundzuerhalten und ihr
jugendliches Aussehen so lang wie möglich zu bewahren, ist so alt, wie sich
die Spuren der Geschichte der Menschheit zurückverfolgen lassen. Am Anfang
sind die pflegerischen und dekorativen Maßnahmen meist an religiösen Riten
gebunden und sie spielen eine wichtige Rolle in der Gesundheitsvorsorge.
Rituelle Waschungen sind notwendige Handlungen, um die Menschen zur
Reinlichkeit und Hygiene zu erziehen.
Die Geschichte der mit Kosmetik eng verbundenen Sauberkeit ist ein Spiegel
des Zivilisationsprozesses, durch den sich nach und nach das Körpergefühl
der Menschen verändert. Sie ist die Geschichte einer Verfeinerung der
Umgangsformen. Man muß dabei auch die Geschichte und die
Entwicklungsprozesse in anderen Bereichen berücksichtigen, denn Körperpflege
ist notwendigerweise auch abhängig von den mehr oder weniger obskuren
Vorstellungen über den Körper, über die ihn umhüllenden Schichten und über
die physiologischen Vorgänge im allgemeinen. Im 16. und 17. Jh. glaubt man
zum Beispiel, daß Wasser in den Körper eindringen könne, was zu einer ganz
bestimmten Einstellung gegenüber dem Baden führt: Es wird vermutet, daß
insbesondere heißes Wasser die Organe schwäche, weil es die Poren öffne und
so das Eindringen von verdorbenen, ungesunden Luftschwaden ermögliche.
Wir werden demzufolge die Körper- und Gesundheitspflege einer jeden Epoche
in ein größeres historisches Umfeld stellen und die Folgen für die Kosmetik
und die Hygiene jeweils sichtbar machen.
In diesem interessanten Streifzug durch die Geschichte der Kosmetik werden
Sie feststellen, daß der Beruf der Kosmetikerin eine uralte Tradition hat.
Sie werden erkennen, daß zwar das Schönheitsideal vergänglich ist, aber daß
das Bestreben, sich jung und schön zu erhalten wahrscheinlich mehr oder
weniger triebhaft in jedem Menschen angelegt ist.
Lehrbriefe
|